sandraGLONING

Liebe tut weh...

Langsam schlage ich die Augen auf. Zehn vor sieben.
Warum stehe ich an einem Ferientag so früh auf? Mein Herz beginnt zu pochen und mein Kopf fühlt sich einen Moment taub an.
Der Ausflug. Das erste Mal das ich ihn seit der Trennung wieder sehe. Tausende Bienen rumoren in meinem Bauch. Am liebsten würde ich in mein Kissen schreien. Muss ich da wirklich hin??

Trotz allem steige ich aus meinem Bett. Ich friere. Einen Moment lang knicken mir die Beine weg und ich muss mich setzen. Heute sehe ich ihn wieder. Übelkeit steigt in mir auf.
Ob er wohl mit ihr kommt?
Nur schwer kann ich den Drang wieder ins Bett zu kriechen unterdrücken. Ich muss gehen!

Mein erster Blick in den Spiegel lässt mich erstarren. Ich bleibe zu hause! Mein Haar steht wirr vom Kopf ab und meine Augen sind rot geschwollen vom Heulen, alles in allem sehe ich schrecklich aus. Trotzdem, ich kann mich jetzt nicht verkriechen, nicht nachdem ich Schluss gemacht hab und nicht nach dem was er mir angetan hat.

Schnell steige ich in meinen Jeans und schnappe mir meine Tasche. Soll er ruhig sehen wie elend es mir geht. Allein bei dem Gedanken tut mir alles weh
. Dieser Ausflug sollte eigentlich UNSER Ausflug werden, der Tag an dem alle sehen sollten das wir zusammen gehören.
Schnell schlucke ich die Tränen hinunter und gehe langsam aus dem Haus.

Schon von weitem sehe ich alle auf dem vereinbartem Platz stehen. Meine Beine werden weich und ich kralle mich an meiner Tasche fest. Dort drüben steht er, mit ihr.
Sie wirft ihr langes, blondes Haar zurück und stößt ein Lachen aus.
Ich kann mich nicht bewegen.

Wie versteinert stehe ich da und sehe sie an, sehe ihn an, sehe die beiden an.
Sie sind jetzt zusammen, sind wahrscheinlich schon lange zusammen, waren schon zusammen als ich noch mit ihm zusammen war.
Meine Kehle ist ausgetrocknet, und ich habe vergessen zu atmen.

Langsam neigt er den Kopf und sieht in meine Richtung. Er lächelt, hebt die Hand und sagt etwas, doch kein Wort dringt an mein Ohr. Ich lebe in einem Stummfilm.
Er fährt sich durchs Haar und lächelt mich weiter an. Ich möchte etwas sagen, irgendetwas, möchte ihm etwas an den Kopf werfen, möchte Rechtfertigung, doch ich bleibe stumm.

Mein Herz schlägt einen Moment schneller und dann spüre ich eindeutig wieder den Knacks, den er mir zugefügt hat. Warum bin ich denn hier? Um den beiden Turteltäubchen zuzusehen?
Schnell drehe ich den Kopf weg und unterdrücke ein Schluchzen.
Das alles kommt mir vor wie ein Alptraum, doch es ist harte Realität.

Langsam komme ich in die Wirklichkeit zurück. Alles nimmt wieder Form und Farbe an und auch der Ton kommt zurück.
Plötzlich ist meine Freundin neben mir, nimmt mich in den Arm und streichelt mir übers Haar.
"Alles wird wieder gut!", flüstert sie mir zu und jetzt beginne ich zu heulen.

by Sandra Gloning

 

 

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